Sind wir „finanzielle Analphabeten“? Oder, sollten Schulen Finanzbildung unterrichten?

von Martin
sollten Schulen Finanzbildung unterrichten

Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ´ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Mit diesem treffenden Tweet sorgte eine 17-jährigen Schülerin aus Köln vor 2 Jahren für Aufsehen. Damals wurde für eine kurze Zeit die Notwendigkeit der Verbesserung der Finanzbildung an Schulen medial diskutiert. Aber hat sich seitdem irgendetwas verändert?

ich bin 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete und Versicherungen.

 

Trotz der großen Anstrengung des Lehrkörpers muss diese Antwort leider mit „Nein“ beantwortet werden. Eine 2018 von der Ing-Diba durchgeführte Studie zeigt, dass mehr als 80 Prozent der befragten 18- bis 24-Jährigen angeben, keinerlei Finanzbildung an den Schulen erhalten zu haben. Und das obwohl mehr als 90 Prozent der Befragten der Ansicht sind, dass Finanzbildung ein Muss innerhalb der schulischen Ausbildung sein sollte.  Sie ist heute ein noch gänzlich vernachlässigtes Thema an Schulen. Diesem Thema wird eine so geringe Bedeutung beigemessen, dass Deutschland und Österreich sogar darauf verzichtet haben, die im Pisa-Test vorgesehenen Fragen zur Finanzbildung in die Umfragen zu integrieren.

 

Warum sollte Finanzbildung mehr Gewicht gekommen?

Die Überschuldung in deutschen und österreichischen Haushalten hat 2018 einen neuen Rekordwert erreicht. Obwohl die Arbeitslosenquote immer weiter sinkt und die Löhne steigen, verfügen insgesamt 27 Prozent der Deutschen nach eigenen Aussagen über keinerlei Rücklagen. Sie könnten nicht einmal kurzfristig eine kaputt gegangene Waschmaschine austauschen ohne dafür Schulden aufzunehmen.

Gleichzeitig steigen schon seit mehreren Jahren die Konsumausgaben kräftig an. Kein Wunder, denn der deutsche Konsument wird jeden Tag im Durchschnitt mit 6.000 Werbeeindrücken bombardiert. Dass wir alle schon materielle Werte internalisiert haben, ist in der heutigen Konsumgesellschaft daher nicht verwunderlich. Studien haben aber gezeigt, dass ein zu starker Fokus auf Konsum uns unglücklich und sogar krank machen kann. Geldsorgen sind schon heute der erste Faktor für Stress und viele andere mentale Erkrankungen.

Wenn wir uns als Erwachsene den Reizen der Werbewirtschaft schon so schwer entziehen können, wie schwierig ist es dann für unsere Kinder mit diesen Verlockungen umzugehen? Deren Freunde haben in der Schule das neueste iPhone oder tragen gerade die angesagte Markenjeans – dadurch wächst der Druck auf unsere Kleinen mithalten zu müssen. Koste es was es wolle.

Finanzbildung beinhaltet grundsätzlich sehr traditionelle Tugenden wie Selbstdisziplin, Voraussicht und soziale Mitverantwortung. Außerdem ist es heute wichtiger als jemals zuvor unseren Kindern frühzeitig beizubringen, dass ein zu starker Fokus auf Konsum uns langfristig unzufrieden und unglücklich macht. Daher stellt sich dich Frage: Sollte Finanzbildung verpflichtend an Schulen unterrichtet werden?

 

Über Geld spricht man nicht!

Dieser Irrglaube setzt sich immer noch durch und so haben Finanzthemen in den meisten Lehrplänen wenig Platz. Außerdem haben viele Lehrer – aufgrund der vermeintlichen Komplexität des Themas Berührungsängste. Zusätzlich wird innerhalb der Familien nicht oft genug über das Thema Geld gesprochen. Wo sollen Schüler daher mehr über Finanzen lernen, wenn sich schon die Großen häufig davor drücken?

Wer mehr über Geld weiß, fällt später auch weniger einfach auf Betrügereien herein, lässt sich nicht einfach Verträge aufschwatzen und agiert klüger bei der Altersvorsorge. Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Kinder eine von der Konsumindustrie stark umworbene Zielgruppe sind. Um sie zu schützen und auf spätere Herausforderungen im Erwerbsleben vorzubereiten, muss Finanzbildung daher aktiver gefördert und im Rahmen des Regelunterrichts an Schulen behandelt werden.

Finanzbildung ist Konsumentenschutz. Nur mündige Konsumenten die ein Mindestmaß an Finanzwissen mitbringen, haben die Chance bessere Entscheidungen in Bezug auf Verträge, Finanzierungen, Vermögensaufbau oder Altersvorsorge zu treffen. Schüler werden immer früher mit finanzrelevanten Themen konfrontiert. Spätestens ab dem Besitz des ersten Smartphones sollten unsere Kinder verstehen, dass die scheinbar harmlosen In-App Einkäufe bei Candy Crush zu einer Schuldenfalle werden können.

Finanzbildung bereits im Teenageralter an Schulen verpflichtend zu unterrichten, wäre daher eine mögliche Lösung, um die aktuelle Schuldenentwicklung zu bekämpfen. Wer nicht das Glück hat, in seinem Elternhaus über dieses wichtige Thema unterrichtet zu werden, sollte nicht auf der Strecke bleiben.

 

Schulden zu machen, wird immer mehr akzeptiert

Während studentische Verschuldung meist oft mit den USA verbunden wird, nehmen auch in europäischen Ländern viele Studierende immer höhere Kredite auf – selbst in Ländern mit niedrigen oder keinen Studiengebühren. Anders als in den USA werden in Europa Kredite für die Universität meist vom Staat in Kombination mit Beihilfen ausbezahlt – so ist es auch in Deutschland. Und hier startet fast jeder zweite Student mit Schulden ins Erwerbsleben.

Und während sich die Gründe für Schulden über die unterschiedlichen Generationen unterscheiden, zeigen Studien, dass Schulden zu machen für alle Altersgruppen zunehmend akzeptiert wird. Und je mehr wir uns damit anfreunden, Kredite aufzunehmen und Einkäufe zu finanzieren, umso höher wird das Risiko, dass wir uns unsere summierten Rückzahlungen irgendwann nicht mehr leisten können.

 

Schulen müssen Kinder auf das Leben vorbereiten

Daher benötigt es einen proaktiveren Vorstoß, um bereits in einem früheren Alter den Umgang mit Geld zu erlernen und die Schuldenspirale zu stoppen. Finanzthemen an Schulen zu unterrichten, bevor unsere Kinder das Erwachsenenalter erreichen und auf einmal mit Geldfragen konfrontiert werden, wäre daher ein logischer Schritt. Es ist nicht sinnvoll, wenn in Bildungsinstitutionen viele Stunden darüber debattiert wird, wie man Mathematik unterrichten soll, aber unsere Jugendlichen nicht den Unterschied zwischen einer Kredit- und einer EC/Bankomat-Karte kennen, oder absolut keine Ahnung von Themen wie Aktien, Vorsorge oder einer Steuererklärung haben.

„Eltern sollen über Geld reden“

Wie viel Taschengeld sollen Kinder bekommen? Was soll davor bezahlt werden? Wie können Eltern verhindern, dass sich ihre Kinder später verschulden? Nur wenn man über das Thema Geld spricht, entwickeln auch unsere Kinder gutes Verhältnis dazu. Von alleine geht das nicht.

Weiterführende Informationen

 

Die Schulen haben die Aufgabe unsere Kinder auf das Leben vorzubereiten. Dazu gehört, Mathematik, Deutsch und Englisch genauso wie Geschichte, Geographie oder eben Finanzbildung. Natürlich ist hier auf das jeweilige Alter der Schüler Rücksicht zu nehmen. Während im jüngeren Alter der bewusste Umgang mit (Taschen)Geld ein Thema ist, müssten in den oberen Schulstufen Themen wie Geldanlage, Vorsorge oder eben auch Steuern behandelt werden. Denn sowohl im Berufsleben als auch beim Studium werden die meisten dann unvorbereitet damit konfrontiert eine Steuererklärung machen zu müssen. Und obwohl in der Oberstufe so gut wie jeder Schüler ein Handy besitzt, wissen nur die Wenigsten was sich hinter der Abkürzung „AGB“ (Allgemeine Geschäftsbedingungen) verbirgt.

 


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Sparen und der richtige Umgang mit Geld haben viel mit Einstellung und ein bisschen mit Wissen zu tun. Genauso wie Bewegung gut ist um seine physische Gesundheit zu verbessern, gibt es Verhaltensmuster die uns finanziell fit machen und halten. Daher hat sich Monkee zum Ziel gesetzt die finanzielle Gesundheit von Eltern mit jungen Kindern zu erhöhen, indem wir einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit Geld fördern.

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